
Ein kurzer Abriß der Jüdischen Geschichte in Menden (Sauerland)
Die jüdische Gemeinde in Menden (Sauerland) hat eine lange, aber tragische Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Erste Juden siedelten vermutlich um 1620 an, mit urkundlichen Belegen gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs.
Frühe Ansiedlung
Juden lebten zunächst in kleinen Familiengruppen und unterhielten ein Betraum in einem Privathaus um 1700. Spannungen mit der christlichen Bevölkerung zeigen sich in 18.-Jahrhundert-Ratsprotokollen. Wichtige Familien wie Reifenberg, Romberg und Rothschild prägten das Gemeindeleben; letztere betrieb eine Papiermühle.
Synagoge und Gemeindeleben
1821 wurde eine klassizistische Synagoge in der Hochstraße (ehemals Watergasse/Süsterstraße) erbaut, mit blauer Kuppel und Frauenempore. Seit 1812 gab es einen Lehrer für Religion und Elementarfächer; 1843 besuchten acht Kinder den Unterricht. Der Synagogenbezirk umfasste auch Hemer und Fröndenberg; 1843 lebten 64 Juden in Menden, 1858 sogar 80.[lwl +1]
NS-Zeit und Zerstörung
Ab 1933 Boykott jüdischer Geschäfte; in der Reichspogromnacht 1938 wurde die Synagoge verwüstet und angezündet, rettete aber Anwohner durch Löschen. Geschäfte geplündert, Männer ins KZ Sachsenhausen verschleppt. 1942 deportiert die Restgemeinde; 24 Mendener Juden starben in Lagern, 45 flohen.
Friedhof und Erbe
Ein Friedhof am Nordwall existierte seit dem 19. Jahrhundert, wurde 1938 geschändet und 1941 der Stadt überlassen. Die Synagoge diente als Lager und wurde 1952 abgerissen. Heute erinnern Ausstellungen und Führungen ans jüdische Leben.
Bekannte jüdische Familien in Menden (Sauerland) spielten eine zentrale Rolle in Handel, Industrie und Gemeindeleben vom 17. bis 20. Jahrhundert.[xn--jdische-gemeinden-22b]
Wichtige Familiennamen
• Reifenberg: Führende Rolle in der Gemeinde; Rosalie Weil (geb. Reifenberg) besaß ein Textilgeschäft, später Alfred Block als Geschäftsführer.[xn--jdische-gemeinden-22b]
• Romberg: Frühe Händlerfamilie; Mitglieder wie Moises, David und Joseph Romberg in Ellenwarenhandel.
• Rothschild: Wohlhabend und einflussreich; Samuel Rothschild erwarb Papiermühle und Fabrik, Aron und Leser Rothschild in Handel und Wechselgeschäften.
• Leven: Um 1900 Ansiedlung; übernahmen Schuhgeschäft Rosenbaum, führendes Fachgeschäft; Sally und Leopold Leven als Inhaber.
• Frankenberg: Metzger und Schrotthändler; David Frankenberg Gefallener im Ersten Weltkrieg, Louis und Max Frankenberg in Schrott.
• Rosenbaum: Schuhgeschäft, später von Leven übernommen.
• Sternfeld: Händler; Abraham, Moses und Samuel Sternfeld.
• Ephraim: Textilgeschäft Bernstein/Ephraim; Familie Ephraim (Willy, Ruth, Denny) deportiert 1942.
• Weitere: Dinkelspiel (Lehrer Abraham), Heimbach (Nathan), Wallach (Joseph), Samson/Mendel (Bekleidung), Eichengrün (Kurzwaren).