In Menden im Sauerland war die Zuwanderung über die letzten 750 Jahre (ca. seit dem 13. Jahrhundert) begrenzt und hauptsächlich regional geprägt.
Bis etwa 1800 lebten fast ausschließlich einheimische katholische Sauerländer in der Stadt, mit nur wenigen nicht-bürgerrechtlichen Beiliegern (ca. 3% im Jahr 1776). Im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung durch Industrialisierung stark an, blieb aber größtenteils auf Einheimische oder Nachbarn aus der Umgebung beschränkt.
Erst ab 1940 kam es zu spürbarem Zuzug durch Ausgebombte und Ostvertriebene; in jüngerer Zeit (2017–2019) überlagern Flüchtlingszuwanderungen die demografischen Trends
Historische Entwicklung
• Mittelalter bis 1800: Planmäßige Stadtgründung um 1250 mit Befestigungsanlagen; Bevölkerung stabil bei ca. 1.200 Einwohnern (1667), kaum Fremdzuzug.
• 19. Jahrhundert: Einwohnerzahl verzehnfacht sich bis 1939 durch Industrialisierung (Stahl- und Metallverarbeitung), aber vorwiegend lokale Zuwanderer.
• Nach 1945: Zuwachs durch Vertriebene und 1950er/60er-Jahre durch Arbeitsmigranten in der Industrie.
Neuere Trends
In den 2010er Jahren führte Flüchtlingszuzug zu positivem Wanderungssaldo (z. B. +2,0 pro 1.000 Einwohner 2017–2019), ergänzt durch junge Erwerbszuwanderer. Menden lag kürzlich bei Zuwanderung im Märkischen Kreis an der Spitze (55 Personen in einem Berichtszeitraum).
Die Industrialisierung spielte eine entscheidende Rolle bei der Zuwanderung nach Menden im Sauerland, insbesondere im 19. Jahrhundert.[
Sie trieb den Bevölkerungszuwachs massiv voran, da die aufstrebende Eisen-, Stahl- und Metallindustrie Arbeitskräfte anzog.
Auslöser und Zeitraum
Die Industrialisierung begann in Menden um die Mitte des 19. Jahrhunderts, verstärkt durch den Eisenbahnanbau 1872 (Letmathe–Fröndenberg und Hönnetalbahn). Lokale Pioniere wie die Familie von Dücker führten 1823 das Puddelverfahren mit Steinkohle ein, was Rödinghausen und Umgebung industrialisierte.
Die Einwohnerzahl verzehnfachte sich bis 1939, von ca. 1.200 (1667) auf über 12.000.
Zuwanderungseffekte
• Lokaler Zuzug: Hauptsächlich aus der Grafschaft Mark, Umgebung (z. B. Altena, Lüdenscheid) und benachbarten Sauerländer Orten; Arbeiter suchten Jobs in Eisenhütten, Hämmern und Walzwerken.
• Wirtschaftswandel: Von Handwerkerdominiert (18. Jh.) zu Arbeiterstadt; Textil- und Bergbauzweige ergänzten, aber Eisen/Metall prägten.
• Folgen: Übergang von Ackerbürger- zu Industrieort, mit Zuwachs durch Erwerbsmigranten; später (1950er) Gastarbeiter.[lokalkompass +1]
Bis 1800 blieb Zuwanderung gering (nur 3% Fremde 1776); Industrialisierung brach diesen Isolationismus auf.
Die Industrialisierung zog vor allem Arbeiter in spezifische Branchen nach Menden an, die im 19. Jahrhundert aufkamen und den wirtschaftlichen Aufschwung prägten.
• Eisenhütten und Walzwerke: Frühe Eisenblech-Walzwerke (zweites in Westfalen) lockten Hämmer- und Walzarbeiter aus der Grafschaft Mark an.
• Maschinenbau und Metallbearbeitung: Ab Mitte 19. Jh. wachsende Betriebe in Metallerzeugung und -verarbeitung (heute noch dominant mit 44% der Jobs).
• Elektro- und Leuchtenindustrie: Ergänzend, oft als Zulieferer für Automobil und Maschinenbau, zogen Fachkräfte an.
Kontext
Der Eisenbahnanbau (1872) verstärkte den Zuzug, da er Transport und Absatz ermöglichte; die Einwohnerzahl stieg dadurch explosionsartig. Textil- und Kalkindustrie spielten eine kleinere Rolle.